Wenn aus oui ja wird
Veröffentlicht am: 01.05.2015; HNA
Melsunger Arbeitsgruppe Sprachförderung sucht neue Lehrer für Flüchtlinge

MELSUNGEN. „Zwei Stunden ist nicht genug. Wir würden gerne mehr lernen“, sagt Helen Tsegay. Tsegay ist eine der Asylsuchenden, die mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft Sprachförderung Deutsch lernen. Die Mitglieder dieser Initiative suchen momentan Verstärkung. Denn viele der in Melsungen lebenden Flüchtlinge wollen Deutsch lernen oder ihre Kenntnisse verbessern. Bei einem Treffen am 27. Mai wollen die ehrenamtlichen Lehrer über ihre Arbeit informieren.
Die Initiative bietet den Lernenden in Gruppen von maximal vier Schülern, die Möglichkeit, ihr Deutsch zu verbessern. Der Unterricht findet in der Regel ein- oder zweimal in der Woche vormittags in Harnings Mühle statt.
Individuelles Lernen
Die Kleingruppen ergänzen dabei einen weiteren Deutschkurs der vhs, den Karin Wegehaupt leitet. Sie unterrichtet eine größere Gruppe einmal die Woche. Es mache sehr viel Spaß, Menschen zu unterrichten, die so gerne lernen wollen, erklärt sie. Aber auch: „Ich bin so froh über die Unterstützung“. Ein Grund dafür ist der unterschiedliche Kenntnisstand der Schüler. In den Kleingruppen kann individueller auf die Bedürfnisse der Lernenden eingegangen werden. Das sei einer großer Vorteil der AG, sind sich Karin Muche und Dr. Matthias Bohn einig, die zu den Initiatoren gehören.
Kultureller Austausch
Die beiden Schulleiter sind von der Arbeitsgruppe Asyl und Integration der Stadt Melsungen angesprochen worden und haben daraufhin ehemalige Kollegen kontaktiert. Diese sammeln seit Anfang März Erfahrungen. Zu ihnen gehört auch Marlene Schanze, die mit Helen Tsegay und Almaz Mahri Deutsch lernt. „Große Schwierigkeiten macht die Aussprache“, erklärt sie. Aber auch kulturellen Austausch findet Schanze wichtig. Sie hat ihre Schülerinnen auch schon Zuhause besucht und ihre Gastfreundschaft genossen. Inge-Katrin Seidel besucht ihre Schülerin sogar regelmäßig zu Hause. „Ich falle ein bisschen aus dem Raster“, erklärt sie, „bei mir ist es eher eine Familienbetreuung.“
Nachdem es ihr gelungen sei, eine Beziehung zu ihrer Schülerin aufzubauen, sei diese aufgetaut. Es zeigte sich, dass sie bereits recht gut Deutsch spricht. In solchen Fällen können die Lehrer ihren Schüler auch helfen, sich etwa im deutschen Bürokratiedschungel zurechtzufinden.
Von rechts nach links
Nicht alle der Freiwilligen sind pensionierte Lehrer. Dorothea Junginger etwa. Sie spricht arabisch und unterrichtet zwei Männer aus Syrien. „Ich weiß, wie es ist, wenn man sich in eine andere Sprachfamilie mit einer ganz anderen Schrift einarbeiten muss.“ In ihrer Gruppe ist daher nicht nur das unterschiedliche Lernniveau ein Problem, sondern da wird aus „in“ auch einmal ein „ni“, weil im arabischen von rechts nach links gelesen wird. Junginger erklärt aber auch, dass ihre Schüler schnell Fortschritte machen, weil sie motiviert und lernwillig sind. Etwas, das auch alle anderen Ehrenamtlichen wieder betonen.
„Es ist ja nicht nur ein Geben, man bekommt soviel zurück“, erklärt Marlene Schanze.
Treffen: Mittwoch, 27. Mai, ab 18 Uhr, im Familienbüro am Huberg 4 in Melsungen. Informationen: Theresa Adenekan und Heiko Bamberger, Integrationsstelle, Tel. 0 56 61/ 9 26 19 36.
Das sagen die Flüchtlinge - Dankbar für die Chance
Wir sind dankbar für die Chance, lernen zu können“, erklärt Almaz Mahri. Bevor sie nach Melsungen kam, war die junge Frau aus Eritrea in Schwarzenborn untergebracht. Dort habe es eine solche Möglichkeit nicht gegeben. Gerne würden sie noch mehr lernen, sagt sie.
Das ist auch etwas, das sich Cabdirahman Haayiv wünscht. Der 27-Jährige, der vor dem Krieg in Somalia geflohen ist, sagt: „Ich würde gerne fünf Tage pro Woche in die Schule gehen“. Einen solchen Intensivkurs können die Flüchtlinge allerdings erst absolvieren, wenn ihrem Asylgesuch stattgegeben wurde, erklärt Integrationskoordinatorin Theresa Adenekan.
Bleiben zu können, das ist auch das Ziel von Kussam Abraham. Für den Mann aus Eritrea ist Deutsch nicht die erste Fremdsprache. Neben Tigrinisch, spricht er auch Englisch, Französisch und Italienisch. „Ich möchte mit den Menschen kommunizieren können. Ich möchte unabhängig sein und ein Teil der arbeitenden Gesellschaft. Deshalb lerne ich Deutsch“, erklärt er. Noch auf Englisch, aber er hofft, bald auch auf Deutsch. (mia)
von Michaela Pflug
