Intime Fotos und Adresse sind tabu
Veröffentlicht am: 01.03.2017; HNA
Fragen und Antworten zum sicheren Surfen von Kindern und Jugendlichen im Internet

Sicherer surfen: Im Jugendtreff Haspel lernten Alessandro Zimmer, Siemon Hofman und Hannah Schneider den verantwortungsbewussten Umgang mit persönlichen Informationen. Referent war Sebastian Maier, im Bild mit Haspel-Leiterin Julia Nennstiel. Foto: privat
MELSUNGEN. Dagi Bee, Le-Floid, Bibi, die Lochis und Julien Bam: Manche Eltern kennen die Stars und Vorbilder ihrer Kinder nicht. Doch diese erreichen täglich ein Millionenpublikum und das fast ausschließlich im Internet. Eltern sollten die Lebenswirklichkeit ihrer Kinder kennen und sie sollten diese Youtube-Stars kennen, sagt Sebastian Maier. Maier ist Experte für den sicheren Umgang von Kindern und Jugendlichen im Internet Derzeit gibt er zwei Aktionstage im Melsunger Jugendtreff Haspel zum Thema Selbstdarstellung im Internet und Fake News. Das rät er Eltern.
Jede Generation hat ihre Vorbilder. Wodurch unterscheiden sich die Internetstars von anderen?
Grundsätzlich gibt es an den meisten dieser Sendungen und Inhalten nichts auszusetzen. Allerdings vermittelt das Medium Internet den Kindern und Jugendlichen das Gefühl ganz nah dran zu sein. Jeder kann einen Kommentar hinterlassen, die zum Teil auch beantwortet werden, oder direkt Einfluss auf die nächste Sendung nehmen. Einige Jugendliche glauben, auch nur einen Klick vom Star sein entfernt zu sein. Aber vor allem sollten Eltern und Kinder besprechen, dass viele dieser Sendungen von der Werbeindustrie unterstützt werden. Auch amateurhaft daherkommende Videos sind oft professionell gedreht. Nur wenige können aber davon leben. Ein seriöser Berufswunsch sollte Youtube-Star sicher nicht sein.
Wie können Jugendliche lernen, verantwortungsbewusst mit persönlichen Daten umzugehen?
Jedem muss erst mal klar sein, dass das Internet nichts vergisst. Was jetzt ein großer Spaß ist, kann bei einer späteren Bewerbung ein großes Problem sein. Privatsphäreneinstellungen sollten ernst genommen und gemeinsam vorgenommen werden. Einige Informationen sind tabu: dazu gehören der volle Name, die Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Schulnoten, Familienmitglieder, Termine und intime Bilder.
Und wenn die Einsicht bei den Jugendlichen fehlt?
Eine Selbstrecherche oder die Recherche von Freunden kann verdeutlichen, wie viele Informationen im Internet frei zugänglich sind. Das Ergebnis der Recherche über einen Kursteilnehmer brachte folgendes zu Tage: Berufe der Eltern, Familienangehörige, Adresse, Telefonnummer, Schule, Freunde, Schulklasse, Hobbys, private Fotos, zum Teil sehr persönliche, Vereinszugehörigkeiten, Freizeitaktivitäten, Auszeichnungen und einiges mehr. Für die Jugendlichen kann das sehr aufschlussreich und warnend sein.
Was ist, wenn Eltern Profile auf Facebook, Snapchat, Instagram und Co. verbieten?
Verbote können den Jugendlichen schaden. Wenn das gesamte Umfeld dort vertreten ist, werden die Jugendlichen ausgeschlossen. Wichtig ist der verantwortungsbewusste Umgang – das betrifft alle Medien.
Wie lässt sich dieser Umgang vermitteln?
Es geht um die Vermittlung von Werten. Medien umgeben Kinder nahezu überall. Eltern sollten sich diesem Thema früh stellen. Die Vermittlung von Medienkompetenz beginnt beim gemeinsamen Konsum und das kann im Kindesalter losgehen. Eltern und Kinder müssen über Inhalte sprechen und Regeln für die Nutzungsdauer setzen.
Können Eltern verhindern, dass Jugendliche mit Sex und Gewalt konfrontiert werden?
Kaum. Sicherheitsfilter nutzen wenig. Besser ist es, über das Frauenbild in Pornografie zu sprechen und wie realitätsfern es zugeht. Kinder sollten den Mut haben, Nein zu sagen. Etwa wenn Filme mit Gewaltdarstellungen oder Pornografie im Freundeskreis kursieren.
Zur Person
Sebastian Maier ist 34 Jahre alt und lebt in Kassel. Maier studierte Erziehungswissenschaften und arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Jugendbildung. Er ist aktiv beim Jugendwerk der Awo und beim Kasseler Jugendring. Maier ist verheiratet und hat noch keine Kinder.
